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flensburg01Bericht über die fünfte Summer School der Fachgruppe Gesundheitspsychologie für Doktorandinnen und Doktoranden 2.-4. Juni 2004 in Flensburg

Bereits zum fünften Mal trafen sich Doktorandinnen und Doktoranden deren Arbeit sich dem gesundheitspsychologischen Themenspektrum zuordnen lässt mit Expertinnen und Experten der Gesundheitspsychologie zur Summer School der Fachgruppe.

Eingeladen wurden die sechs DoktorandInnen von Prof. Dr. Toni Faltermaier an die Universität Flensburg. Von Donnerstag Nachmittag bis Samstag Mittag gab es neben der Vorstellungen der Dissertationsprojekte und anschließenden Diskussionen auch Zeit für gesellige Abende die intensiv zum Austausch zwischen den DoktorandInnen und ExpertInnen genutzt wurden und einen Ausflug zur Halbinsel Holnis.

Die eingeladenen Expertinnen und Experten vertraten ein sehr breites Expertisefeld im Rahmen der Gesundheitspsychologie. So waren beispielsweise auch angrenzende Bereiche wie die A&O- oder Entwicklungspsychologie sowie die psychologische Methodenlehre durch die Experten und Expertinnen gut vertreten.

Neben Prof. Dr. Toni Faltermaier (Flensburg) waren dies Prof. Dr. Arnold Lohaus (Marburg), Prof. Dr. Britta Renner (Bremen), Prof. Dr. Marianne Resch (Flensburg) und PD Dr. Mark Stemmler (Erlangen). Der Donnerstag Nachmittag und Abend diente dem sich Vorstellen und gegenseitigen Kennenlernen.

Die vorgestellten Dissertationsprojekte wiesen z.T. Gemeinsamkeiten auf, sodass die präsentierten Arbeiten in etwa drei Bereichen zugeordnet werden können. Zu dem Bereich "Risikowahrnehmung, Gesundheitsverhalten und Risikoverhalten" können die Arbeiten von Martina Panzer, Andries Oeberst und Eva Brunner zugeordnet werden.

Martina Panzer (International University Bremen) arbeitet im Rahmen des RACK-Projekts. Südkoreanische ProbandInnen erhielten Feedback über ihre Cholesterin- und Blutdruckwerte. Martina stellte Ideen zur Erfassung der Verarbeitungstiefe des Screening-Feedbacks vor sowie Hypothesen darüber, wie unterschiedliche kognitive, emotionale und verhaltensbezogene Reaktionen auf das Gesundheitsfeedback zusammenhängen könnten.

Andries Oeberst (International University Bremen) stellte drei experimentelle Designs zur Untersuchung des Zusammenhangs von selbstbezogener Risikowahrnehmung und Risikostereotypen vor. Bei der anschließenden Diskussion ging es vor allem um konkrete Fragen der Operationalisierung und Stichprobengewinnung. Auch trug sie zur Schärfung des Auflösungsgrades theoretischer Grundlagen der intendierten Treatments bei. Eva Brunner (Alpen Adria Universität Klagenfurt, Österreich) stellte ihr Projekt zum Thema "Sexuelles Risikoverhalten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen am Beispiel von HIV und AIDS" vor und präsentierte die einzelnen methodischen Bausteine, die im Sinne der Mixed Methods konzipiert sind: Dokumentenanalysen, ExpertInneninterviews, Fragebogenerhebungen werden in der Arbeit kombiniert, um ein ganzheitliches Bild sexuellen Risikoverhaltens und dessen Determinanten zeichnen zu können. Besondere Beachtung finden dabei entwicklungsbezogene sowie emotionale Komponenten als mögliche Prädiktoren des Kondomgebrauchs.

Eine Untersuchung zur Bereitschaft zu sozialer Unterstützung in Abhängigkeit normgerechten vs. Normabweichenden Bewältigungsverhaltens wurde von Katja Antoniw (Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifwald) vorgestellt. Diskutiert wurden hier vor allem die vorgestellten experimentellen Designs. Außerdem wurden weitere Möglichkeiten der Operationalisierung personaler und situationaler Variablen besprochen, die einen potentiellen Geber in seiner Bereitschaft zu sozialer Unterstützung beeinflussen können. Ein weiterer Komplex befasste sich mit Evaluationsstudien, zu denen Bettina Röder und Stefanie Hacker sowie jeweils einen Beitrag leisteten.

Bettina Röder (Humboldt-Universität zu Berlin) stellte Konzept und Evaluationsdesign eines Lehrerfortbildungsprogramms mit dem Ziel der Persönlichkeit-, Gesundheits- und Lernförderung bei Schülern vor. Besprochen wurde hier insbesondere wie im Rahmen solcher Life-Skills-Ansätze bei der die Durchführung der Intervention meist an Lehrer übertragen wird, die Wirksamkeit der Intervention erfasst werden kann. Diskutiert wurden dazu in erster Linie Fragen, die sich bei der Implementation von Maßnahmen in den Unterricht ergeben.

Stefanie Hacker (Universität Erlangen-Nürnberg) stellte ein sozial-kognitives Kompetenztraining für Grundschulkinder vor, bei dem die Förderung von Selbstkontrolle, sozialen Problemlösefertigkeiten und emotionaler Aufmerksamkeit im Vordergrund stehen. Dieses "Training im Problemlösen TIP" dient der Prävention dissozialer Verhaltensweisen und wurde erstmalig hinsichtlich seiner Implementation und Wirkungsevaluation überprüft. Hierzu wurden erste Ergebnisse vorgestellt, deren Interpretierbarkeit und Bedeutung im Rahmen der Diskussion aufgegriffen wurden. Die Diskussionen waren geprägt von konstruktiven Hinweisen und Vorschlägen, wodurch es beispielsweise gelang, den DoktorandInnen einen anderen Blick auf die eigene Arbeit aufzuzeigen. Dabei wurde auch ersichtlich, dass es in jeder Arbeit Kniffe, Schwierigkeiten und Problemchen gibt, die manchmal weniger stark involvierten Personen offensichtlicher erscheinen, als den eigentlichen Experten der Arbeit.

So konnten zumindest einige der DoktorandInnen das Resümee ziehen, die eigene Arbeit noch einmal aus einer anderen oder sogar eine übergeordnete Perspektive betrachtet zu haben. Das gegenseitige Interesse an den Dissertationsvorhaben, was durch die lebhaften Diskussionen mit den ExpertInnen und DoktorandInnen deutlich wurde, zeigte sich u.a. auch darin, dass in den Pausen weiterdiskutiert und gemeinsam überlegt wurde. Sicherlich trug auch die explizite Aufforderung von Toni Faltermaier, bei der Vorstellung des eigenen Dissertationsprojekts Probleme und Schwierigkeiten nicht auszuklammern, mit dazu bei, dass jede(r) mindestens die ein oder andere gute Anregung mit nach Hause nehmen konnte.

Sehr wichtig war aber auch der Einwurf von Arnold Lohaus, dass nicht jede Anregung oder jeder kritische Punkt, der von den ExpertInnen aufgezeigt wird, auch wirklich nützlich sein muss. Denn letztendlich muss jede(r) Doktorand(in) für sich entscheiden, als wie wertvoll er/ sie die Hinweise der ExpertInnen betrachtet.

Neben diesen arbeitsreichen und konzentrierten Stunden blieb aber auch Zeit für Erholung und Gespräche fernab der Promotionsthemen. Der Ausflug auf die Halbinsel Holnis am späten Freitag Nachmittag bei vorgewitterlicher Windstille endete etwas vorzeitig im Regenguss. Dennoch wurde Ruhe bewahrt und mehr oder weniger entspannten Schrittes zum Fährhaus auf der Halbinsel zurückgewandert. Der hereinbrechende Regen wurde als gerade noch lustig eingeschätzt, weshalb die Stimmung an langer Tafel sehr gelöst war.

Schließlich hatte man nun auch noch ein kleines Abenteuer gemeinsam erlebt. Am Samstag Mittag endete die Summerschool mit einer ausführlichen Feedbackrunde. Dabei wurde viel Lob genannt. Insbesondere ging ein Lob für die wirklich ausgezeichnete Organisation an Toni Faltermaier sowie an Lena Heindl und Christina Schwegman (Studierende der Universität Flensburg).

Die Begeisterung der DoktorandInnen mündete sogar in dem Vorschlag, ein Netzwerk von Doktoranden der Gesundheitspsychologie zu gründen, mit dem Ziel einen gemeinsamen Austausch auch längerfristig zu gewährleisten. Ein Initiationstreffen ist bereits für den vom 22.-24.09.2005 in Freiburg stattfindenden 7. Kongress der Gesundheitspsychologie geplant worden. Diese Begeisterung kam u.a. dadurch zustande, dass dies für die meisten der teilnehmenden DoktorandInnen eine wohl einmalige Gelegenheit war, sich intensiv in einem Kreis wohlgesonnener Kritiker zum eigenen Dissertationsvorhaben auszutauschen. Damit können wir allen jetzigen und zukünftigen Doktorandinnen und Doktoranden der Gesundheitspsychologie empfehlen, diese wohl fast einmalige Gelegenheit zu ergreifen, und im Rahmen kommender Summer Schools ebenso wie wir, positive Erfahrungen und Anregungen mitzunehmen sowie daraus Motivation für die weitere Arbeit an der Promotion zu schöpfen.

Die SommerschülerInnen 2005

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