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Autoren: Prof. Dr. phil. Herbert Scheithauer; Arbeitsbereich Entwicklungswissenschaft & Angewandte Entwicklungspsychologie Dipl.-Psych. Dipl.-Kfm. Stephan Warncke; Projektkoordinator Freie Universität Berlin

Zielgruppe: Jugendliche zwischen ca. 11 und 15 Jahren (7.-9. Jahrgangsstufe); Lehrerinnen und Lehrer und Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter als Multiplikatoren

Ziele: Übergeordnete Ziele sind die Förderung sozialer Kompetenz und Zivilcourage (Grundsatz des „Nicht-Wegsehens“) bei Jugendlichen und die Unterstützung persönlicher Verantwortungsübernahme, im Kontext von Mobbing in der Schulklasse/in der Schule. Die Verhinderung/Verminderung von Mobbing hat einen direkten Einfluss auf die psychische und (bei direkter physischer Aggression) auch körperliche Gesundheit der Jugendlichen. Die Zielvermittlung erfolgt über mehrere Ebenen: Wissen: Förderung des Verständnisses für dissoziales Verhalten, Kennenlernen der verschiedenen Formen von Mobbing, Kennenlernen von Fällen, wo prosoziales Verhalten und Zivilcourage gezeigt wurde. Rekapitulation von positiven und negativen Beispielen bzgl. Sozialverhalten aus der Lebenswelt der Jugendlichen. Einstellungen: Förderung des Verständnisses der persönlichen Eigenverantwortung für das Umfeld/den eigenen Lebensraum, Entwicklung eines Bewusstseins für Gewaltsituationen. Stärkung der Handlungsbereitschaft zum (überlegten) Eingreifen bzw. gezielten Einholen von Unterstützung. Peers/Klasse: Förderung der Peerbeziehungen und des Klassenklimas; Förderung von Kommunikation und Kooperation in der Klasse/Jugendgruppe. Fertigkeiten/Kompetenzen (Schüler/Klasse): Empathie, Perspektivenübernahme, und sozial-emotionale Kompetenzen sowie Verständnis für Verhalten des Gegenübers fördern, Strategien zum Umgang mit negativen Emotionen erwerben, Selbstwahrnehmung und -einschätzung trainieren. Verhalten: Kennenlernen von Handlungsalternativen/-strategien und Förderung von prosozialem, fairen Verhalten sowie Vorbeugung von gewaltorientiertem Verhalten.

Inhalte: Das fairplayer.manual ist ein Präventionsprogramm in manualisierter Form zur Förderung sozialer Kompetenzen und Zivilcourage im Kontext von Schulmobbing. Die Maßnahme wird selbstständig von Lehrerinnen/Lehrern und/oder Schulsozialarbeiterinnen/Schulsozialarbeitern in den Klassen umgesetzt, welche zur Qualifizierung an einer 4-tägigen Multiplikatorenfortbildung teilgenommen haben. Die fairplayer.multiplikatorenfortbildung wird von langjährig programmerfahrenen fairplayer.teamern durchgeführt. Neben der Umsetzung auf Klassenebene (und möglichst der Einbeziehung der gesamten Schule) werden auch die Eltern im Rahmen von 2 Elternabenden einbezogen. Dabei werden sie über die wesentlichen Inhalte des Programms informiert und Möglichkeiten bei der Unterstützung des Programms auf Elternseite besprochen. Die Durchführung des Programms auf Schulklassenebene umfasst 15 bis 17 aufeinander aufbauende Schuldoppelstunden. Die Wissensvermittlung erfolgt anhand verschiedener Medien (Internet, Printmedien, Fernsehbeiträge), welche an den Gewohnheiten der Jugendlichen orientiert sind. Mit Hilfe von strukturierten Rollenspielen werden Empathie und kognitive Perspektivenübernahme gefördert. Dabei lernen die Jugendlichen, sich in eine andere Rolle hineinzuversetzen - etwa in die des Täters oder in die des Opfers -, die Sichtweise der Rolle nachzuempfinden und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, wie sie in einer Mobbing-Situation einschreiten können, ohne sich selbst zu gefährden. Daneben werden kognitiv-behaviorale Methoden wie Modelllernen, soziale Verstärkung und Verhaltensfeedback angewandt, um kognitive, emotionale, soziale und moralische Kompetenzen auszubauen. Demokratiepädagogische Elemente, Diskussionen über moralische Dilemmata zur Förderung moralischer Urteilsfähigkeit und Übungen zum Transfer der gelernten Inhalte in den Alltag sind weitere Komponenten des Programms. Innerhalb der Dilemmata-Methode wird den Schülern als Szenario eine altersgerechte Konfliktsituation geboten, die anhand eines strukturierten Leitfadens von den Schülern in einer anschließenden Gruppendiskussion bearbeitet wird. Die Diskussion wird dabei durch den ausgebildeten fairplayer.multiplikator angeleitet. Das fairplayer.manual schafft somit die Voraussetzungen, die es zunächst den ressourcenstarken Schülerinnen und Schülern ermöglichen sollen, sich für die Opfer einzusetzen und Bullying zu ächten. Gleichzeitig werden die Schüler angesprochen, die sich bisher aus dem Geschehen eher herausgehalten oder den Täter unterstützt haben. Auf diese Weise entsteht eine Kultur des Hinsehens in der Klasse. Die Jugendlichen haben kontinuierlich die Möglichkeit, selbst erarbeitete Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten nach ihren Ideen umzusetzen und zu präsentieren (z.B. in Form eines Kurzfilmes, den sie in Eigenregie drehen, oder in Form von selbstständig entworfenen Rollenspielen). Die breite Ausrichtung und die speziell für die jugendliche Zielgruppe konzipierten Methoden fordern regelmäßig die Aufmerksamkeit der Jugendlichen, wodurch eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen erreicht wird. Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass es unterschiedliche Möglichkeiten für einen gewaltfreien Umgang miteinander gibt und gestalten diese aktiv und eigenverantwortlich mit. Gleichzeitig wird ein Raum geschaffen, in dem die Schüler respektvoll miteinander umgehen und auf Grundlage sachlicher Argumente lernen, zu diskutieren. Sozial-emotionale Kompetenzen und prosoziales Verhalten werden auf diese Weise gefördert und durch Lernen-am-Erfolg das Bewusstsein für eine gewaltfreie Diskussionsebene im sozialen Miteinander geschaffen. Ziel ist eine langfristige Integration der Methoden in den Unterricht, um nachhaltig und langfristig einen positiven Umgang miteinander zu stärken. Dies wird insbesondere erreicht durch die Fortbildung der schuleigenen Lehrer, Schulsozialarbeiter usw., die das Programm fortan an der Schule durchführen können. Das Programm ist hat zusammen mit dem Programm fairplayer.sport 2011 den European Crime Prevention Award verliehen bekommen und ist in der „Grünen Liste Prävention“ mit der höchsten Stufe „Effektivität nachgewiesen“ gelistet.

Methodik: Informationsvermittlung unter aktiver Beteiligung der Jugendlichen Kognitiv-behaviorale Methoden: Modelllernen, Verhaltensübungen, Verhaltensregeln/Klassenregeln, soziale Verstärkung und Verhaltensrückmeldung Sozial-kognitive Informationsverarbeitung/Aufbau sozialer Fertigkeiten und Kompetenzen: Differenzierte Wahrnehmung, strukturierte Rollenspiele, Verhaltensübungen (z.B. Hilfeverhalten) Moralische Dilemma-Methode (Einnahme verschiedener Rollen in einer kontroversen Diskussion) Gruppendynamische Methoden: Rollenspiele, Erwartungen/Befürchtungen, Partizipations-/Aushandlungsmöglichkeiten Didaktik: Der junge Mensch wird als aktives, autonomes und lernfähiges Individuum betrachtet. Die Jugendlichen lernen, dass eine breite Facette von Möglichkeiten für ein gewaltfreies Miteinander existiert und gestalten diese aktiv und eigenverantwortlich mit. Didaktisch setzt das Programm auf klar strukturierte Handlungsvorschläge für die einzelnen Programmschritte, die die Durchführenden nach Wunsch auch modifizieren können. Grundsätzlich erfolgt die Umsetzung der Methoden und Programminhalte auf der Basis eines aktivierenden, die Schüler einbindenden didaktischen Ansatzes und betont insbesondere soziales Lernen in Form von Peer-to-Peer-Lernen. Hierfür stehen mehrere Alternativen zur Auswahl. Die Vermittlung der Inhalte wird durch umfangreiches Anschauungsmaterial unterstützt.

Durchführung: Multiplikatorenfortbildung zum fairplayer.manual, gefördert durch die Deutsche Bahn AG und unterstützt durch das Deutsche Forum für Kriminalprävention (DfK) Durchführung in 15-17 Unterrichtsdoppelstunden (ca. 4 Monate) in der Schulklasse bzw. Jugendgruppe Organisationsdiagnose durch vorgeschaltete Gespräche und Feedbackrunden mit allen Beteiligten (u.a. Schüler/Jugendlichen, Lehrern/Trainern/Jugendleitern, Schul- bzw. Institutionsleitung, Eltern) Regelmäßige Supervision (Lehrer/Trainer/Jugendleiter) und Elterngespräche sowie begleitend zum fairplayer.manual Elternabende mit Informationen zum Thema Mobbing

Evaluationsmethode: Durchführung durch die u.g. Institution Design Ergebnisevaluation, Prozessevaluation zur schulpraktischen Umsetzbarkeit und zur Durchführung der Programmmaßnahmen durch Unterrichtseinheiten, quasi-experimenteller Versuchsplan mit Prätest, Posttest, Follow-Up Stichprobe 22 Klassen mit insgesamt 357 Jugendlichen Follow-up 12 Monate

Trainer: Welche Qualifikationen sind Voraussetzungen, um das Programm durchführen zu können? Die Fortbildung zum fairplayer.multiplikator richtet sich an pädagogisches Fachpersonal (Lehrer, Sozialpädagogen, Schulsozialarbeiter, etc.) mit Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Zur Zertifizierung als fairplayer.multiplikator sind unter anderem eine 4tägige Fortbildung (36 Stunden) sowie die eigenständige Umsetzung von fairplayer.manual in mindestens einer Schulklasse notwendig. Die Zertifizierung wird durch die möglichst jährliche Teilnahme an Qualitätsverbundtreffen auf den aktuellen Stand gebracht. Nach mehrjähriger Erfahrung mit der Durchführung des fairplayer.manuals besteht für fairplayer.multiplikatoren die Möglichkeit fairplayer.teamer zu werden (spezielle Teamerfortbildung) und dann selbst fairplayer.multiplikatoren auszubilden.

Durchführung: Arbeitsbereich Entwicklungswissenschaft und Angewandte Entwicklungspsychologie der Freien Universität Berlin Desgin: Mehrere Teilevaluationen in Bremen und Berlin seit 2004, darunter auch ein kontrolliertes Warte-Kontrollgruppendesign (Prä-Post) mit follow-up nach 12 Monaten

Stichprobe: Insgesamt 4 Teilstudien mit insgesamt N = 678 Schülern (Interventionsgruppe: N = 562; Kontrollgruppe: N = 116) mit einer Altersspanne von 11 - 19 Jahren; zudem Befragung der Lehrkräfte und Schulleitungen.

Evaluationsergebnisse:

1. Wirksamkeitsnachweis: Nachgewiesener Rückgang von Mobbing/Intensität von Mobbing, relationaler Aggression; Prosozialität (soziale Kompetenzen) wird signifikant verbessert; signifikanter Rückgang der Akzeptanz von Gewalt (der Gewaltlegitimation), positive Rückmeldungen der Lehrkräfte bezüglich Zivilcourage und Eingreifverhalten nach Programmdurchführung.

2. Prozessevaluationen haben gezeigt, dass Machbarkeit und Akzeptanz des Programms sehr hoch ist; u.a. durch spezielle Berücksichtigung jugendkultureller Aspekte (z.B. fairplayer.botschafter aus Musik, Sport und Lifestyle); die Implementierungsqualität wurde überprüft und deren Bedeutsamkeit differentiell bestätigt.

3. Gezielte Überprüfung der Durchführbarkeit und Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen und damit einhergehende ständige Weiterentwicklung und Modifikation von fairplayer.manual ermöglichen effektives Qualitätsmanagement und eine praxisnahe Programmgestaltung.

4. Konkrete Umsetzung und Anwendung des Programms und damit verbundene Implementierungskontrolle ermöglicht die Erarbeitung situationsbezogener Durchführungsempfehlungen (Methodenvariation je nach Alter, Kenntnisstand und Schultyp der Jugendlichen) und somit maßgeschneiderte Programmangebote gemäß spezifischer Problemlage und Situation vor Ort. Hohe Implementierungsqualität wird durch die kontinuierliche Fortbildung und Weiterbildung der fairplayer.teamer und Multiplikatoren erreicht.

Verbreitung: Im Rahmen eines Corporate Social Responsibility Ansatzes (CSR) wird in Kooperation mit dem Deutschen Forum für Kriminalprävention (DFK) und mit Förderung durch die Deutsche Bahn AG derzeit ein Multiplikatorenkonzept in die Fläche umgesetzt, um eine deutschlandweite, flächendeckende Implementation des Programms fairplayer.manual zu ermöglichen. Hierzu werden durch die Zusammenarbeit mit regionalen Entscheidungsträgern (z.B. Jugendverbände, Schulaufsichtsbehörden) in verschiedenen Bundesländern Implementationstrukturen geschaffen. Es werden Vertreter der mit den Jugendlichen arbeitenden Organisationen (Schulsozialarbeiter, Lehrer, Jugendgruppenleiter, Trainer etc.) zu den Programminhalten geschult und damit in die Lage versetzt, fairplayer.manual in ihren Institutionen zu etablieren. Im Anschluss an das Programm sind für eine Verstetigung Anschlussprojekte geplant. Im Kontext Schule existiert hier bereits eine Kooperation mit dem „Klassenrat“ der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe). Die Freie Universität Berlin, in Zusammenarbeit mit der stravio UG, bietet laufend Fortbildungen an. Aktuelle Fortbildungstermine sind auf der Programm-Website www.fairplayer-fortbildung.de zu finden.
Schulmitarbeiter aus dem gesamten Bundesgebiet können an den Fortbildungen teilnehmen.

Einsatzbereiche: Die Einsatzbereiche des fairplayer.manual sind Schulklassen und Jugendgruppen (7.-9. Jahrgangsstufe), die regelmäßig zusammenkommen.

Literatur: Materialien zum Programm: Scheithauer, H. & Bull, H.D. (2008). fairplayer.manual: Förderung von sozialen Kompetenzen und Zivilcourage - Prävention von Bullying und Schulgewalt. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. (Mit einem Geleitwort von Wolfgang Edelstein). Veröffentlichungen: Scheithauer, H., Hess, M., Schultze-Krumbholz, A., & Bull, H.D. (2012). School-based prevention of bullying and relational aggression in adolescence: The fairplayer.manual. New Directions for Youth Development, 133, 55-70. DOI: 10.1002/yd.20007 Scheithauer, H. & Bull, H.D. (2010). Das fairplayer.manual zur unterrichtsbegleitenden Förderung sozialer Kompetenzen und Prävention von Bullying im Jugendalter: Ergebnisse der Pilotevaluation. Praxis der Kinderpsychologie und –psychiatrie, 59, 266-281. Scheithauer, H. & Bull, H.D. (2009). Prävention von Bullying und Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen im Schulkontext: das fairplayer.manual. In D. Menzel & W. Wiater (Hrsg.), Verhaltensauffällige Schüler. Symptome, Ursachen und Handlungsmöglichkeiten (S. 231-236). Bad Heilbronn: Klinkhard. Bull, H., Schultze, M. & Scheithauer, H. (2009). School-based prevention of bullying and relational aggression: The fairplayer.manual. European Journal of Developmental Science, 3, 312-317. Scheithauer, H. & Bull, H.D. (2007). Unterrichtsbegleitende Förderung sozialer Kompetenzen und Prävention von Bullying im Jugendalter – das fairplayer.manual. Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik, 43, 277 – 293.

Internetquellen: www.fairplayer-fortbildung.de  www.fairplayer.de  www.facebook.com/faiplayer

Kontakt:
Ansprechpartner: Prof. Dr. phil. Herbert Scheithauer
Arbeitsbereich Entwicklungswissenschaft & Angewandte Entwicklungspsychologie
Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie
Wissenschaftsbereich Psychologie, Pf 19
Freie Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 45
D-14195 Berlin
Telefon +49 (0) 30 838-5 65 46
Fax +49 (0) 30 838-5 65 88
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Dipl.-Psych. Dipl.-Kfm. Stephan Warncke
Projektkoordinator
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