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Summer School 2001Bericht über die dritte Summer School der Fachgruppe Gesundheitspsychologie für Doktorandinnen und Doktoranden 9.-11. Mai 2001 in Schwäbisch Gmünd

Welch große Themenvielfalt der Bereich der Gesundheitspsychologie beinhaltet, wurde bei der dritten Summer School der Fachgruppe Gesundheitspsychologie in Schwäbisch Gmünd deutlich. Diese Veranstaltung wurde vor einigen Jahren ins Leben gerufen, um Nachwuchswissenschaftler(inne)n, die gesundheitspsychologische Dissertationsprojekte bearbeiten, die Möglichkeit zu geben, sich und ihre Arbeiten vorzustellen und mit ihresgleichen sowie mit „gestandenen" Gesundheitspsycholog(inn)en zu diskutieren.

Die diesjährige dritte Summer School wurde von Prof. Dr. Walter Kohlmann unter Mithilfe von Heike Eschenbeck in Schwäbisch Gmünd organisiert - und das mit großem Erfolg!

Zum Expert(inn)enteam beim diesjährigen Treffen zählten Prof. Dr. Kohlmann, Prof. Dr. Matthias Jerusalem (Berlin), Prof. Dr. Arnold Lohaus (Marburg), Prof. Dr. Gerdi Weidner (New York, USA), Prof. Dr. Claus Vögele (Luton, England) und Dr. Changiz Mohiyeddini (Schwäbisch Gmünd). Die Expert(inn)en gaben zum Auftakt der Vortragsblöcke jeweils einen kurzen Einblick in ihre eigene Forschungsarbeit, anschließend stellten die Doktorandinnen (der einzige Doktorand mag es verzeihen, dass er unter die weiblichen Mitglieder subsummiert wird) ihre Arbeiten vor.

In der Reihenfolge der Präsentation werden im Folgenden die einzelnen Projekte kurz angeschnitten.

In der Arbeit von Wiebke Göhner (Tübingen) wird ein Motivationstraining für Rückenschmerzpatient(inn)en evaluiert. Dieses Training wird den Betroffenen zusätzlich zur physiotherapeutischen Behandlung angeboten, um ihnen langfristig rückenfreundliches Alltagsverhalten sowie die regelmäßige Durchführung physiotherapeutischer Übungen zu erleichtern. Erste Ergebnisse sprechen dafür, dass das kurze und kostengünstige Training Wirkung zeigt.

Nina Knoll (Berlin) beschäftigt sich mit der Frage, wie ältere Erwachsene mit einer akuten physisch bedrohlichen Situation (Operation am Grauen Star) umgehen. Es soll geprüft werden, wie Persönlichkeitsvariablen und Bewältigungsstrategien mit der Anpassung an die Bedrohungssituation verbunden sind. Erste Ergebnisse wurden präsentiert.

Andrea Horn (Tübingen) wendet die von J.W. Pennebaker eingeführte Form expressiven Schreibens im Rahmen eines schulbasierten Präventionsprogramms an. In anderen Kontexten konnte wiederholt die positive Wirkung expressiven Schreibens auf Stimmungs- und Gesundheitsmaße gezeigt werden. In der Studie soll nun untersucht werden, ob sich diese Effekte besonders in bezug auf affektive Symptome auch bei Jugendlichen der achten Realschulklasse nachweisen lassen.

Susanne Bettge (Berlin) arbeitet an der Erstellung eines Modells, in dem viele verschiedene Aspekte von Schutzfaktoren, die sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirken, integriert und zusammenfassend operationalisiert sind. Zudem sollen Schutzfaktoren für die psychische Gesundheit verschiedener Altersgruppen von Kindern und Jugendlichen operationalisiert werden. Der Annahme folgend, dass ein effektiver Umgang mit Ärger - der bedeutsam für Gesundheit und Wohlbefinden ist - mit der angemessenen Regulation der sozialen Situation einhergeht, erforscht Monika Wiedig (Greifswald) in ihrer Laborstudie die Frage, ob empfundener Ärger in sozialen Interaktionen auch so dargestellt wird, dass er von anderen Personen erkannt und richtig eingeschätzt werden kann. Um die ältere Generation und deren körperliche Gesundheit geht es in der Arbeit von Sonia Lippke (Berlin): Sie hat sich der Frage gewidmet, wie diesem Personenkreis zu einem selbstständigen, aktiven Leben und zu guter Gesundheit verholfen werden kann. Da körperliche Aktivität eine entscheidende Rolle bei dieser Fragestellung spielt, stehen im Mittelpunkt ihrer Arbeit die Faktoren und Prozesse zur Aufnahme und Aufrechterhaltung von sportlicher Aktivität.

Ilka Lißmann (Berlin) interessiert sich ebenfalls für die Gruppe der Älteren: Ihre Arbeit fokussiert die interdisziplinäre Fragestellung, ob Personen mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen sich hinsichtlich der Persönlichkeitsveränderung über die Zeit im hohen Alter von denen unterscheiden, die keine oder nur geringe Beeinträchtigungen zeigen. Erste Ergebnisse sprechen für einen Zusammenhang. Im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projektes „Quality of Life in Children and Adolescents with Disabilities and their Families" bearbeitet Corinna Petersen (Hamburg) die potentiellen Einflussfaktoren auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Kindern mit chronischen Erkrankungen. Es sollen, auch mit Hilfe von Elternangaben, Informationen darüber erfasst werden, welche Faktoren sich - möglicherweise in Abhängigkeit vom Geschlecht - günstig auf die subjektive Gesundheit der Kinder auswirken.

In der Arbeit von Heike Eschenbeck (Schwäbisch Gmünd) geht es um die Entwicklung einer für Grundschulkinder geeigneten Version des emotionalen Strooptests. Neben der Analyse angstbezogener Aufmerksamkeitsprozesse bei Grundschulkindern werden erste Analysen zur Überprüfung der Reliabilität sowie der Validität des Verfahrens durchgeführt.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Relevanz von Qualitätssicherungsmaßnahmen bearbeitet Stephanie Bauer (Stuttgart) die Frage, ob und inwiefern es möglich ist, frühzeitig den Gesundungsverlauf von Patienten in einem stationären psychotherapeutischen Setting zu prädizieren. Diese Informationen sollen an das therapeutische Team zurückgemeldet werden, um einen ersten Schritt in Richtung einer adaptiven Therapieplanung zu ermöglichen. Um die Früherkennung von Hautkrebs geht es in der Arbeit von Heike Spaderna (Mainz): In ihrer experimentellen Studie wird die Wirkung von unterschiedlich gerahmten Texten (message framing) auf Einstellungen, Intentionen und die selbstberichtete Häufigkeit von Hautselbstuntersuchung geprüft. Zusätzlich werden neben der Bedrohlichkeit der Texte die Bewältigungsdispositionen Vigilanz und kognitive Vermeidung berücksichtigt sowie Indikatoren für die Güte der Informationsverarbeitung erfasst.

Birte Dohnke (Berlin) untersucht, welche Rolle Diskrepanzen zwischen Erwartungen und Erfahrungen für den Genesungsprozess von Patienten nach künstlichem Gelenkersatz (Knie/Hüfte) spielen. Ausgehend von der Auffassung, dass realistische Erwartungen für adäquate Zielsetzungen und -erreichungen notwendig sind, wird die Hypothese aufgestellt, dass Personen mit geringen Erwartungsdiskrepanzen bessere gesundheitliche Fortschritte machen als Personen, deren tatsächliche Genesung hinter der erwarteten zurückbleibt. Von Charis Förster und Steffen Taubert (beide Berlin) wurde ihre Studie zum Erleben von Stress, dem Einsatz von Bewältigungsstrategien, der Veränderung subjektiver Krankheitstheorien und der Lebensqualität vor und nach einer Tumoroperation vorgestellt. Patienten mit gastrointestinalen Tumoren sowie deren Angehörige werden in der longitudinalen Feldstudie kurz vor der Operation sowie zu drei Follow-up Zeitpunkten psychometrisch untersucht.

Die Vorstellung dieser Arbeiten konnte in jeder Hinsicht in einem angenehmen Rahmen stattfinden: Zunächst einmal war der von der Gmünder Ersatzkasse zur Verfügung gestellte Raum mit Getränken und frischem Obst immer reichlich versorgt, sogar die Cafeteria stand zur Verfügung.

Dass die GEK durch ihre eigenen Beiträge sowie interessante Kooperationsangebote großes Interesse an den Teilnehmerinnen zeigte, ist äußerst positiv aufgenommen worden. Herzlichen Dank an Herrn Müller und Frau Schmidt! Von den - ohne Honorar - teilnehmenden Expert(inn)en erhielt jede der Doktorandinnen zahlreiche praktische und sehr konkrete inhaltliche und methodische Vorschläge (keine wird es je wieder wagen, den Geschlechtereffekt zu vernachlässigen!) für die weitere Bearbeitung - unabhängig davon, ob ein Projekt sich in der Planungs-, Durchführungs- oder Auswertungsphase befand. Diese sehr konstruktive Atmosphäre hat bei den Doktorandinnen die Motivation zur Weiterarbeit, die in manchen Phasen der Dissertation ja doch etwas leiden kann, aufgefrischt und neuen Schwung zum Anpacken der noch anstehenden Aufgaben auf dem Weg zur Promotion gegeben.

Für die Teilnehmerinnen war auch nicht nur das Kennenlernen anderer Projekte rein inhaltlich interessant, sondern die jeweils berichteten Widrigkeiten konnten darüber hinaus zur entspannenden Relativierung der eigenen Probleme beitragen. Nicht zuletzt enthielt das von den Organisatoren vorbereitete Rahmenprogramm neben den notwendigen Essenspausen auch eine erholsame Wanderung über die Ost-Alb an einem der sonnigsten Tage dieses Frühjahrs.
Bei dieser Gelegenheit ist es wohl allen sehr leicht gefallen, die von der Psychologie definierten Bereiche der Gesundheit umzusetzen: Durch das Laufen wurde der Körper aktiviert (aufgrund manch ungünstig gewähltem Schuhwerk allerdings auch Fuß-Druckstellen), die Seele wurde gestreichelt bei strahlender Sonne und herrlichem Blick über die Landschaft, und auch das Streben nach bereichernden sozialen Kontakten konnte verwirklicht werden. Auch überaus gesunde Lacher fehlten nicht: Dem am Wegesrand friedlich grasenden Esel war es eine Ehre, sich mit einigen hochrangigen Vertretern der Gesundheitspsychologie ablichten lassen zu können!

Um es auf den Punkt zu bringen: Die diesjährige Summer School war ein voller Erfolg! Wir Teilnehmerinnen durften eine rundum gelungene und bereichernde Veranstaltung erleben, aus der wir in vielseitiger Hinsicht be- und gestärkt hervorkamen. Wir werden noch lange von den positiven Wirkungen dieser Zeit profitieren können. Damit auch zukünftigen Doktorandinnen und Doktoranden im Bereich der Gesundheitspsychologie diese wertvolle Erfahrung zuteil werden kann, hoffen wir sehr, dass die Fachgruppe Gesundheitspsychologie die noch junge Tradition der Summer School fortführen wird.

Wiebke Göhner & Andrea B. Horn (Tübingen)

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